Was machen Archäologen eigentlich?

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Die Archäologie beschäftigt sich mit der Erforschung der Hinterlassenschaften der Menschheit, in allen Zeiten und überall auf der Welt. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebenswelt früherer Kulturen zu beleuchten und Aspekte ihrer Gesellschaft zu ermitteln. Als Kulturwissenschaft bedient sie sich dabei auch den Naturwissenschaften, mit dessen Hilfe sie zu konkreten Ergebnissen kommen und ihre eigenen Forschungen ergänzen kann.

Einen Teil der Archäologie bildet die Archäobiologie. Sie beschäftigt sich mit den tierischen und pflanzlichen Hinterlassenschaften einer Kultur und verfolgt das Ziel, die Entwicklung der Menschheit und ihren Umgang mit der Umwelt zu erforschen. Die Archäobiologie kann wiederum in weitere Teilbereiche unterteilt werden, u.a. in Archäobotanik und Archäozoologie. Die beiden Teilbereiche sind natürlich miteinander verknüpft, bieten aber auch unabhängig voneinander die Möglichkeit die Lebenswelt der Menschen zu rekonstruieren. Im Folgenden sollen einige Aspekte dieser Wissenschaft beleuchtet und Beispiele für Methoden und Ergebnisse dieser Forschung vorgestellt werden.

Die Archäobotanik beschäftigt sich mit der Erforschung sämtlicher pflanzlicher Hinterlassenschaften, die für Aussagen über das Leben in einer bestimmten Periode oder zu einem bestimmten Ort (oder beides) wichtig sind. Dazu gehören können Makro-Reste von Pflanzen, also zum Beispiel verkohlte Samenkörner in Feuerstellen oder Reste von Kleidung aus verschiedensten Pflanzen, die etwa in Siedlungen gefunden werden können. Diese Makro-Reste können analysiert werden und erlauben im Umkehrschluss Rückschlüsse darauf, welche Pflanzen von welcher Kultur wann benutzt wurden und im besten Fall auch wofür. Ein gutes Beispiel für die wichtigen Aussagen, die von der Archäobotanik getroffen werden können ist zum Beispiel die Erforschung von Wildgetreiden und domestizierten Formen des gleichen Getreides. Die Unterschiede bei den Arten lassen sich durch verschiedene Methoden ermitteln und verwendet eine neolithische Kultur (ca. ab 12 000 vor heute aus dem fruchtbaren Halbmond kommend) Getreide in großen Mengen, kann davon ausgegangen werden, dass sie entweder dabei waren von einer Jäger-Sammler-Kultur in die Sesshaftigkeit überzugehen oder diesen Vorgang bereits abgeschlossen haben, denn die weitgehende Verwendung von Getreide benötigt den sesshaften Lebensstil mit extra angelegten Ackerflächen und Speichergebäuden. Zu absoluten Aussagen dieser Art gehören natürlich weitere Forschungen und Überlegungen, aber die archäobotanische Untersuchung pflanzlicher Makroreste spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle.

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Verkohlte Samenreste mit rezenter, unverkohlter Vergleichsprobe

Ebenso wichtig ist dabei allerdings auch die Erforschung pflanzlicher Mikroreste, zum Beispiel von Pollen. Mikroreste sind natürlich um einiges kleiner als Makroreste, können aber die gleichen Aussagen treffen. In der Palynologie (der Erforschung von Pollen) werden etwa Pollen unter dem Mikroskop analysiert, um das Klima einer gewissen Zeitperiode zu bestimmen, denn das Vorkommen bestimmter Bäume und Pflanzen lässt Rückschlüsse auf etwa Warm- und Kaltzeiten zu: Jede Pflanze bevorzugt bestimmte Böden und ein bestimmtes Klima, wird es zu warm kann sie nicht überleben, genauso wenig wenn es zu kalt wird. Das Vorkommen von z.B. Birkenpollen in einer Schicht kann ein Hinweis auf eine angehende Warmzeit sein, da Birken als sogenannte Pionierpflanzen sehr geringe Ansprüche an den Boden stellen und sehr gut auch auf kargen Böden überleben können. Andere Pflanzen hingegen haben höhere und definiertere Ansprüche auf ihren Boden und wachsen daher nur in ganz bestimmten Zeiten und Klimaphasen. Die Pollenanalyse ermöglicht es somit etwa die genaue Umgebung einer Siedlung weitgehend zu bestimmen, damit die Umwelt der dort lebenden Menschen rekonstruiert und Interpretationen über ihre Lebensweise diskutiert werden können.

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10 000 Jahre alte Pollen unter einem Mikroskop

Die Archäozoologie beschäftigt sich hingegen mit der Erforschung der tierischen Hinterlassenschaften, also z.B. Tierknochen. Genauso wie bei der Archäobotanik können dabei etwa Rückschlüsse auf die Nahrung der Menschen geschlossen werden, denn auch hier kann anhand der Knochen und Genetik der Tiere analysiert werden, ob es sich um domestizierte Tiere oder wilde Arten handelt. Sind die Tiere domestiziert kann von Viehhaltung ausgegangen werden, die wiederum Weideflächen und Stallungen, und somit eine sesshafte Lebensweise voraussetzt. Anhand der Knochen kann auch die Nahrung der Menschen in einigen Teilen nachvollzogen werden. So wurden etwa in mittelalterlichen Siedlungen die Knochen in Abfallgruben aus verschiedenen Teilen der Stadt untersucht, interessanterweise konnte dabei ermittelt werden, dass die Menschen in einem Teil der Stadt tendenziell eher reich und woanders eher arm waren, da sie unterschiedliche Teile der Tiere mit großer Mehrheit zu sich nahmen und somit eine eher nahrhafte, fetthaltige Diät (z.B. durch den Verzehr von Rinderkeule, dem besonders zarten Fleisch am Hinterbein von Rindern) oder eine eher fettarme, karge Diät (z.B. durch den Verzehr von Fuß- oder Kopfstücken) hatten. Neben den Knochen kann natürlich auch alles andere sich erhaltene tierische Material analysiert und interpretiert werden, wie etwa Wolle, Leder oder auch die Reste anderer tierischer Produkte, etwa Resten von Milch an Tongefäßen.

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Ansammlung von mittelalterlichen Tierknochen – Schaf, Ziege, Schwein

Die Berücksichtigung von pflanzlichen und tierischen Resten in archäologischen Forschungen setzt natürlich bestimmte Bedingungen voraus. Um überhaupt Hinterlassenschaften dieser Art zu finden und zu analysieren müssen bestimmte Gegebenheiten vorhanden sein, denn die empfindlichen organischen Reste erhalten sich nur unter bestimmten Umständen. Samenkörner müssen entweder verkohlt sein, oder in sehr feuchtem Boden vorkommen, denn ansonsten werden sie sehr schnell zersetzt. Pollen können sich über zehntausende Jahre erhalten, aber nur wenn sie im feuchten Boden luftdicht verschlossen lagern, ansonsten vergehen auch sie sehr schnell. Knochen erhalten sich länger, aber auch sie müssen bestimmten Bedingungen ausgesetzt sein um für die Forschung von Bedeutung zu sein. In ganz besonderen Glücksfällen, wie etwa beim Fund von Moorleichen oder anderen Mumien kann dann aber sogar der Mageninhalt einer Person untersucht und ganze prähistorische Gerichte entdeckt werden, wie zum Beispiel bei der Gletschermumie Ötzi, dessen Verdauungstrakt untersucht und die Nahrung in seinen letzten 55 Stunden analysiert wurde.

Für solche Erkenntnisse spielt aber ebenso die Art der Ausgrabung eine tragende Rolle. Die oftmals winzigen Reste dürfen von Archäologen nicht übersehen oder missachtet werden. Um dies zu verhindern wird bei vielen Ausgrabungen etwa die abgetragene Erde gesiebt und auf Kleinstreste untersucht, wo gefundene Keramikscherben bei früheren Ausgrabungen oft blitzblank geputzt wurden, wird nun rigoros darauf geachtet, ob sich nicht vielleicht doch Krusten oder andere Reste an ihnen befinden.

Demnach spielt die Archäobiologie eine ganz entscheidende Rolle für die archäologische Forschung, kann allerdings auch nur unter bestimmten Bedingungen und durch die Zusammenarbeit auf der Ausgrabung und später im Labor stattfinden. Ihre Ergebnisse zeigen aber, dass es sich lohnt, ein wenig vorsichtiger zu graben und die Mühen auf sich zu nehmen, um die Lebenswelt früherer Kulturen ein wenig greifbarer zu machen.

Lea Hüntemann

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