Eindrücke aus einem englischen Sommer

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Sommerurlaub in England, für viele vielleicht ein Paradoxon oder der Inbegriff von verschwendeten Urlaubstagen, doch eigentlich eine wunderbare Gelegenheit um sich die europäische Insel ein wenig genauer anzusehen und der brennenden Hitze in den Sommermonaten zu entkommen. September eignet sich hervorragend für einen Besuch. 2018 war es in allen europäischen Ländern vor allem im Juli und August ungewöhnlich heiß, da war auch Großbritannien keine Ausnahme, doch im September hatte sich das Ganze auf die perfekte Temperatur abgekühlt um die Sonne genießen zu können, ohne Angst zu haben gleich zu verbrennen. Für diesen Urlaub haben wir uns die Südwestküste Englands ausgesucht und zwölf Tage lang die Küstenstädte und Sehenswürdigkeiten in Cornwall und Devon besucht, bevor wir uns über Hastings zurück auf den Weg nach Dover gemacht haben.

Wer aus dem mitteleuropäischen Raum kommt und plant, eine Tour durch Großbritannien zu machen, sollte ruhig überlegen, ob es sich nicht vielleicht lohnt mit dem eigenen Auto nach Calais zu fahren und von dort aus (oder von einem der anderen nahegelegenen Häfen) nach Dover überzusetzen. Somit können mögliche Umstellungsschwierigkeiten vermieden werden, denn von rechts auf links fahren zu wechseln ist oft schon Umstellung genug. In Dover anzukommen ist (bei gutem Wetter) phänomenal. Die Kreidefelsen sind schon früh in der Ferne zu beobachten und bieten einen wunderbaren Einstieg in den Urlaub.

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Torquay und Greenway Estate

Wer sich auf die Spuren der berühmten Autorin Agatha Christie begeben möchte ist in Torquay genau richtig. Als Herzstück der sogenannten English Riviera befindet sich der ehemalige Kurort Torquay direkt an der Küste, die von Palmen umringt ist und Mittelmeerklima verspricht. Zugegebenermaßen hat das heutige Torquay wohl wenig mit dem Torquay des 20. Jahrhunderts zutun, doch auch zwischen den neueren Gebäuden lassen sich Sehenswürdigkeiten finden und ein Hauch des Flairs aus vergangener Zeit ist immer noch deutlich zu spüren.


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Die Agatha-Christie-Meile, ein Weg durch einige wichtige Etappen im Leben der Autorin, bietet die Möglichkeit in ihre Fußstapfen zu treten und das, was von ihrer Welt noch übrig geblieben ist mit eigenen Augen zu sehen. Die wohl größte Etappe ist hierbei wohl die Besichtigung von Greenway Estate, der Sommerresidenz Christies und späterer Wohnsitz ihrer Tochter, welcher Anfang des 21. Jahrhunderts dem National Trust anvertraut wurde. Neben dem beeindruckenden Landsitz gibt es dort noch einen angrenzenden Garten, ein Bootshaus und einen sehr schönen Blick auf die angrenzenden Gewächshäuser. All diese Gebäude enthalten Informationen zu dem Leben von Agatha Christie und ihrer Familie, nehmen aber auch Bezug auf ihre Romanhelden Hercule Poirot und Miss Marple. Besonders lohnt sich eine Fahrt mit der originalen Eisenbahn oder dem Dampfschiff. Ein ähnliches Herrenhaus gibt es ein wenig außerhalb von Torquay, in Cockington Village. Dieses Freilichtmuseum besteht aus einem Dorf, das zurück ins 16. Jahrhundert datiert und seitdem nicht verändert wurde. Angrenzend an einen schönen Park befinden sich Handwerksstätten, die heute Schmuck und Haushaltsgegenstände herstellen und anbieten.

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Dartmoor National Park

Am schönsten ist der Weg nach Cornwall wohl durch das Dartmoor. Abseits der breiten, mehrspurigen Straßen bieten die engen und kurvigen Wege durch das Dartmoor eine wundervolle Möglichkeit die Natur ganz nah zu erleben. Etliche Einbuchtungen an den Straßenrändern erlauben es, auszusteigen und die weite und vielfältige Natur aus nächster Nähe zu beobachten. Die freilaufenden Kühe, Schafe und auch Pferde gehören zum alltäglichen Bild mit dazu, sie machen die ohnehin schon abenteuerliche Fahrt noch spannender und stehen besonders gerne nah am Straßenrand (oder auch drauf) und schauen, ob nicht der ein oder andere Besucher stehenbleibt um sie zu füttern.

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St. Michael’s Mount

In Cornwall angekommen gibt es genug Dinge zu tun um monatelang unterwegs gewesen zu sein und trotzdem nicht alles gesehen zu haben. Alle Highlights aufzuzählen würde demnach auch viel zu lang dauern. Empfehlenswert ist aber auf jeden Fall die Gezeiteninsel St. Michael’s Mount. Das zugehörige Pendant dazu ist der französische Mont St. Michel in der Normandie. Als Wahrzeichen Cornwalls kann die Insel bei Ebbe zu Fuß über eine Straße und bei Flut mit einem Boot erreicht werden. Oben angekommen hat man einen wahnsinnigen Blick. Die Burg selbst wurde bis in die 1950er Jahre benutzt, gehört heute allerdings auch dem National Trust. Die Einrichtung ist größtenteils noch die gleiche wie vor 70 Jahren, zusätzlich gibt es sehr viel Informationen zur Erhaltung und Restauration des gesamten Areals. In den Sommermonaten kann zusätzlich der mediterrane Garten, der an den Hängen unterhalb der Burg zu finden ist, besichtigt werden.

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Tintagel

Eine weitere Burg, Tintagel Castle, steht auf der anderen Seite Cornwalls, an der Atlantik-Küste. Von rauem Gestein und dem wilden Meer umgeben ist Tintagel Castle die Wiege der Sage von König Arthur. Reste von Burgen aus mehreren Bauphasen, ebenso wie Hausgrundrisse und Mauern sind heute noch auf der durch Erosion, Wind und Wetter entstandenen Halbinsel zu finden. Es ist einfach, in den Ruinen und der Umgebung die Magie zu spüren, die Legenden wie die von Merlin und Arthur angetrieben haben. Neben den tatsächlichen Grundrissen gibt es mythologisch angehauchte Orte, wie Merlins Cave, welche die Entstehung der Legenden um König Arthur nacherzählen.

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Wer der Vergangenheit hier auf der Spur sein will, muss sich auf viele Auf- und Abstiege und unebene Wege gefasst machen, aber die Aussicht und Ruinen sind jede Treppenstufe wert. Wer die Nebel von Avalon kennt, weiß, worauf man sich gefasst machen sollte!

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South-West-Coast Path

Der South-West-Coast Path ist ein 1014km langer Weg an der Küste Südwestenglands entlang, von Somerset, über die Küsten von Cornwall und Devon, bis nach Dorset. Entlang der Küste kann von dort aus die Vegetation, das Meer und die Geschichte Englands hervorragend verfolgt und erlebt werden.

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Der Weg beschreibt den längsten National Trail Englands und bietet die Möglichkeit, alles zwischen einem schönen Abendspaziergang oder auch einer abenteuerlichen Wanderung zu erleben. Durch seine Länge kann fast jedem Wunsch nach Aussicht und Vegetation Folge geleistet werden und seine Besucher genießen die Variation und Vielfältigkeit englischer Natur. Die Route ist auf Google Maps zu finden, kann aber auch über Zeichen und Wegweiser auf der ganzen Strecke verfolgt werden.

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Sissinghurst Castle Gardens

Gerade für Leute auf dem Weg zurück nach Dover, um die Fähre zu nehmen, lohnt sich ein Stop in Hastings. Und nicht nur irgendwo in Hastings, sondern in Sissinghurst Castle Gardens. Das Gelände selbst hat eine lange Geschichte, ist heute aber besonders bekannt durch Vita Sackville-West und ihren Mann Harold Nicholson, die das Areal in den frühen 1930ern kauften und große Teile davon in einen riesigen Landschaftsgarten verwandelten. Die Autorin ist vor allem für ihre Beziehung mit Virginia Woolf bekannt. Der Garten, in dem Harolds planerische Fähigkeiten und Vitas Kreativität vereint werden, ist ein Meisterwerk. Obstwiesen und ein Gemüsegarten helfen damals wie heute bei Verpflegung der Gäste und wer besonders lauffreudig ist, kann auf den Außenanlagen des Grundstücks lange Spaziergänge durch Wald und Wiesen genießen.

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Natürlich ist dies nur ein Bruchteil der Dinge, die Südwestengland zu bieten hat, doch sie sind einen Besuch durchaus wert! Mit etwas Glück verhält sich das Wetter genau so wie man sich das wünscht oder ist zumindest trocken!

Lea Hüntemann

Bibliographie

Greenway Estate: https://www.nationaltrust.org.uk/greenway
Cockington Village: https://www.englishriviera.co.uk/explore/cockington-villagep1297643
St. Michael’s Mount: https://www.stmichaelsmount.co.uk
Tintagel Castle: https://www.english-heritage.org.uk/visit/places/tintagel-castle/
South-West-Coast-Path: https://www.southwestcoastpath.org.uk
Sissinghurst: https://www.nationaltrust.org.uk/sissinghurst-castle-garden

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